Die Pandemie im Seniorenheim Bachstraße: Alexander Horn sieht die Wissenschaft zu wenig gehört

Langenhagen. „Von Anfang an haben Wissenschaftler den Verlauf der Co-rona-Pandemie vorhergesagt, doch die Politiker haben nie richtig auf sie gehört“: Wenn Alexander Horn, Pfle­ger im Seniorenheim Bachstraße, auf die vergangenen Monate zurück­blickt, dann ärgert er sich noch immer darüber, dass die Regierenden aus seiner Sicht oft zu spät und oft zu in­konsequent den Empfehlungen der Wissenschaftler gefolgt sind. „Unsere Regierung braucht künftig einen Ex­pertenrat, der auch das notwendige Vertrauen bekommt und dessen Rat­schläge umgesetzt werden“, ist er überzeugt.

Seit September 2020 arbeitet der 42-Jährige in der Wiesenauer Ein­richtung, zuvor war er in einem ande­ren Heim beschäftigt. Ein solch eng­maschiges Netz an Tests und klaren Regeln wie an der Bachstraße habe er dort nicht erlebt, sagt der Hannovera­ner, nach dessen Einschätzung die konsequente Anwendung der inter­nen Vorgaben einen Infektionsaus­bruch verhindert hat. Schon frühzei­tig habe er selbst erfahren müssen, wie schwer eine Covid-19-Erkran-kung verlaufen könne: Im April 2020 infizierte er sich, wahrscheinlich über die Arbeit seiner Frau. Drei Tage habe er hohes Fieber, Husten und keinen Geschmack mehr gehabt. „Das war wie ein Schlag vor den Kopf.“

Horn setzt auf Corona-Regeln

PCR-Test? Fehlanzeige. Quarantäne-Anordnung? Fehlanzeige. „Der Be­reitschaftsarzt hatte uns Antibioti­kum und Schleimlöser verschrieben, das war alles“, erinnert sich Horn. Dank seiner Frau besitzt das Paar einen Inhalator samt der notwendi­gen Medikamente. „Den haben wir damals genutzt, und heute wissen wir, dass das intuitiv die richtige Lö­sung war.“ Weil er schon sehr früh die Gefahr einer Pandemie geahnt hatte, sei er schon im März mit Maske und Handschuhen einkaufen gegangen. Mehr noch: Horn und seine Frau des­infizierten alle Waren, bis heute. „Wenn man so will, ist das eine Schrulle, die wir noch nicht abgelegt haben“, sagt er und fügt rückbli­ckend hinzu, dass er so schwer wie seinerzeit seit Jahren nicht mehr krank gewesen sei. „Das war mehr als eine Grippe.“

Mit dieser Erfahrung und dem Wissen, das er sich angelesen hatte, sorgte er sich vor allem darum, andere Menschen anzustecken – zu Hause in der Familie ebenso wie auf der Arbeit. „Ich arbeite schon lange in der Alten­pflege, daher weiß ich, wie drama­tisch eine Infektion für Bewohner ge­wesen wäre“, sagt er. Beim Start an der Bachstraße behielt er die Schutz-kleidungan, ein schwieriger Einstieg, weil die Bewohner ihn nicht sehen und er sie nicht in den Arm nehmen konnte. „Die Menschen sind ja auf uns angewiesen“, sagt er und sieht nach den vergangenen Monaten einen engeren Zusammenhalt der Mitarbeiter untereinander, aber auch zu den Senioren. Ein durchaus positi­ver Aspekt, wie er meint.

Horn vermisst das Ausgehen

Als absoluten Negativpunkt indes bezeichnet er für sich das Auseinan-derdriften von Freundschaften: „Die Spaltung der Gesellschaft finde ich ganz schlimm“, sagt der Pfleger. Er habe nicht erwartet, dass Freunde aus seinem Umfeld den gesunden Men­schenverstand ausschalten und sich der Weltverschwörung anschließen würden oder dass sie Fakten und Er­klärungen leugneten. „Letztlich sind sie nicht aufnahmefähig für Argumente, sodass sich auch keine Debat­te mit ihnen mehr lohnt“, hat Horn festgestellt. Er habe die Leugner und Maskenverweigerer konsequent aus der Freundesliste gestrichen, weil er keinerlei Verständnis für ihre Hal­tung habe – mit einer Ausnahme.

„Dieser Freund ist mir wichtiger als die Politik, undweilichjanundop-pelt geimpft bin, gehe ich entspann­ter damit um“, sagt der 42-Jährige. Denn bei Pflegekräften wie ihm litten wegen des Schichtdienstes ohnehin die sozialen Kontakte: „Ich bin ganz bestimmt kein Ausgehtyp, aber in­zwischen vermisse auch ich das Zu­sammensein mit Freunden.“ Einmal inder Disco laut Musik hören, im Bier­garten sitzen, ein Eis in der Sonne es­sen – das wünsche er sich jetzt schon sehr. „Das letzte gesellige Treffen hattenwiran Silvester 2019/2020, das ist verdammt lang her.“ Umso mehr setze er auf die Impfungen, die eine Rückkehr ins gesellige Leben ermög­lichen. Schonjetzt seien nicht nur Kollegen, sondern auch Angehörige und Freunde geimpft. Keiner von ihnen werde jetzt leichtsinnig, aber: „Die ganz große Angst ist eben weg. Halle­luja!“

Das ist die Serie in der haz.de – Wie haben Mitarbeiter, Angehörige und Bewohner des Seniorenheims Bachstraße in Langenhagen die ver­gangenen Monate Corona-Pandemie erlebt? Wie geht es ihnen heute? Vom Geschäftsführer bis zum Hausmeister – in unserer Serie sprechen sie alle über Sorgen und Hoffnungen.

Quelle: haz.de 01.06.2021 Fotos & Text: Antje Bismark

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